Stilkunde


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Die Reportage

Der journalistische Wert der Reportage besteht vor allem darin, Sachverhalte durch subjektive Eindrücke zu ergänzen und zu veranschaulichen. Sie beschränkt sich nicht darauf, ihren Leser zu informieren, sondern hat vielmehr das Ziel, ihm Eindrücke und Erfahrungen zu vermitteln. Der Reporter „vor Ort“ ersetzt dem Leser, der aus verschiedenen Gründen eben nicht selbst vor Ort sein kann, alle Wahrnehmungsorgane, nimmt stellvertretend für ihn eine Eindrucksverarbeitung vor. Der Reporter stellt Zusammenhänge zwischen den wahrnehmbaren Ereignissen her, bringt sein Hintergrundwissen ein, lässt andere Augenzeugen zu Wort kommen, wertet und kommentiert. Die Reportage will einen Bericht nicht ersetzen, sondern vielmehr ergänzen. Sie bietet einen Blick hinter die Kulissen, entdeckt Neuigkeiten,  informiert, interpretiert und unterhält. Eine Reportage soll ihren Leser teilhaben lassen, als sei er selbst „dabei“ gewesen.

Diese Zielsetzungen haben natürlich Auswirkungen auf Textgliederung und Schreibstil: So beginnt eine Reportage nicht etwa mit einem „Lead“, in dem die wichtigsten W-Fragen beantwortet werden, sondern bemüht sich um einen Einstieg, der den Leser neugierig macht und ihn mitten in das Geschehen hineinführt. Reportagen sollten über eine Dramaturgie verfügen, einen „roten Faden“, an dem die einzelnen Reportageelemente aufgereiht werden.  Die Reportage beginnt meistens mit einer spannenden, vielleicht aber auch nur repräsentativen Szene, einem interessantem Detail, einem Gag oder einer provokant aufgeworfenen Frage, seltener mit einem Zitat. Sie endet dagegen häufig mit einer Pointe, einer direkten Redewiedergabe, einer Bewertung und greift dabei oft ein zentrales Motiv oder gar den Einstieg wieder auf, wodurch die vorangegangenen Ausführungen abgerundet werden. Zwischen Einstieg und Schluss wird das Thema der Reportage variantenreich entfaltet: Mal werden Erlebnisse in den Vordergrund gerückt, im nächsten Abschnitt kann sich der Fokus dann auf die Schilderung von Stimmungen richten. Auch können Zitate eingebunden werden, um Personen zu charakterisieren und den Authentizitätsgrad zu erhöhen, woran sich dann wiederum Sachinformationen anschließen können. In der Mitte und gegen Ende sollte die Reportage Darstellungshöhepunkte enthalten, um die Aufmerksamkeit des Lesers aufrechtzuerhalten. Ein chronologischer Aufbau, wie man ihn in Schülerzeitungen häufig in „Reportagen“ über Klassenfahrten findet, ist eher unüblich.

Handlungen werden in ihrem Verlauf wiedergegeben und keinesfalls auf ihr Ergebnis reduziert. Auch sollte der Blickwinkel variiert werden: So kann zwischen Detailaufnahme und der Betrachtung des Gesamtbildes gewechselt werden, ebenso zwischen der Perspektive von unmittelbar ins Geschehen eingebundenen Personen  und der Wahrnehmung von außen. Zeitsprünge sind ausdrücklich erlaubt: So kann es interessant sein, die Erzählgegenwart durch Rückblicke in die Vergangenheit zu unterbrechen und so in einen umfassenderen Zusammenhang zu stellen. Der nötige Grad an Anschaulichkeit kann durch die Verwendung handlungsstarker Verben, treffender Adjektive und sprachlicher Bilder erreicht werden. Könner variieren das Erzähltempo an passenden Stellen durch den Wechsel von kurzen, einfachen sowie langen und verschachtelten Sätzen.

 

 



 




 


 

 
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